Thailand: So energieeffizient ist das neue Werk in Kabin Buri

Mit Weitsicht geplant. Bei unserem neuen thailändischen Werk in Kabin Buri war von Anfang an klar: Wir wollen eine Top-Anlage mit kleinstmöglichem CO2-Fußabdruck. Nach über vier Jahren ist dieser Wunsch Wirklichkeit geworden.

In Sachen Effizienz kann man unheimlich viel bedenken. Markus Giefing entlockt diese Feststellung bei einer Führung durch unser neues Werk ein wissendes Schmunzeln. „Ich bin ja selbst Techniker“, erzählt der Head of Far East Activities. „Aber es war auch für mich ein Lernprozess, was alles beachtet werden kann, wenn man wirklich nachhaltig arbeiten möchte.“

 

Warum eigentlich Thailand?

Mit unserem Latexwerk in Hat Yai gibt es bereits langjährige positive Erfahrungen in Thailand. Die neue Produktionsstätte der Thaimed Hightech Company Ltd ist im Industriegebiet Kabin Buri nordöstlich von Bangkok angesiedelt. Für MAM ermöglicht sie, bislang zugekaufte Kunststoffteile selbst herzustellen. MAM sieht im asiatischen Raum aber auch großes Zukunftspotenzial und will dementsprechend investieren. Lokale Hersteller und Zulieferer halten dabei die Transportwege kurz.

 

Nur das Beste

Die Ansiedlung im Fernen Osten bedeutet für MAM aber nicht, dass niedrigere Maßstäbe gelten. MAM-Gründer Peter Röhrig bestand insbesondere darauf, dass beim neuen Bau keine Kilowattstunde vergeudet wird. Das Ingenieurbüro Oberhumer stand als Berater betreffend Kühlung, Energieeffizienz und Photovoltaik-Anlage zur Seite. Letztere deckt bei voller Werksauslastung mitunter 10 Prozent des Energiebedarfs durch Solarstrom ab. Wirtschaftlich wird sich das in achteinhalb Jahren rentieren. „Viele Börsenunternehmen können nicht mit so einer mehrjährigen Amortisationszeit rechnen“, betont Otto Oberhumer. „Herr Röhrig war bereit, langfristig zu investieren. Dadurch ist ein Werk entstanden, das auch nach europäischen Standards außergewöhnlich ist.“

Kühlen Kopf bewahren

Beim Wärmemanagement wird durch zwei unabhängige Systeme in der Prozesskühlung und der Klimatisierung gespart. Den bewussten Umgang damit kommunizieren wir auch intern. „Normalerweise sind die Personalräume in Thailand eher unterkühlt, weil die Angestellten nicht ressourcenschonend denken“, berichtet Markus. „Bei uns wird durch Bewegungsmelder und individuell steuerbare Klimazonen nur dort gekühlt, wo es notwendig ist.“ Bei der Auswahl aller technischen Komponenten wurde obendrein penibel auf Energieeffizienz geachtet – von der Herstellung über die Transportwege bis zur Anwendung selbst.

 

Raffinierte Technik, ­einfach ­mitgedacht

Bemerkenswert ist vor allem die clevere Planung im neuen Werk. So wird zur Luft-Entfeuchtung die ohnehin abzuführende Hitze beim Produktionsprozess herangezogen. Ein zehn Zentimeter breiter Luftpolster zwischen Mauer und Außenverschalung der Bauhülle dient zur Wärmeisolation. Und ein reflektierender Farbanstrich schwächt die Sonnenerwärmung weiter ab. Sogar die Vegetation wurde einberechnet: Strategisch kultivierte Pflanzen im Umkreis senken die Temperatur um erstaunliche 0,75 bis 1,5 Grad.

Lieber Schatten als Fenster

Diese Maßnahmen sind speziell auf die lokalen Gegebenheiten abgestimmt. „Ein Aspekt, den viele europäischen Firmen nicht bedenken, ist das Klima“, weiß Markus. „In Thailand spielt effiziente Beschattung eine wesentlich wichtigere Rolle als natürliches Licht oder Heizung.“ So kam es unter anderem zur kühleren, fensterlosen Gestaltung der Betriebshalle, eine starke LED-Beleuchtung sorgt dennoch für tageslichtähnliche Bedingungen.

Mit Weitblick in die Zukunft

Nach vier Jahren Planung und Bau wurde das Werk Ende 2016 in Betrieb genommen. Der gesamte Produktions- und Office-Bereich ist nun barrierefrei zugänglich. Derzeit sind knapp 30 MitarbeiterInnen, drei Spritzgussmaschinen und eine Extrusionsblasmaschine in der Produktion im Einsatz. Insgesamt gibt es Kapazitäten für 250 Personen in verschiedenen Arbeitsbereichen. Die Energieeffizienz liegt weit über dem geplanten Level, die Ausstattung und Durchdachtheit der Anlage sind richtungsweisend und in Thailand wohl einzigartig.